In den nächsten Jahren werden mehr als nur symptombekämpfende Medikamente erwartet.

„Therapie im rasanten Wandel“, lautete das Vortrags-Thema auf dem Vereinstreffen des Forums für Parkinson und Bewegungsstörungen in der Borghorster Gaststätte Börger. Zahlreiche Mitglieder erschienen, um die Ausführungen von Professor Dr. med. Tobias Warnecke, Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation des Klinikums Osnabrück – Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Münster und Vorsitzender der Parkinson Netzwerke Deutschland, zu hören.

„Auf dem Sektor der Parkinson-Krankheit ist sehr viel in Bewegung“, betonte der Experte. „In den nächsten Jahren erwarten wir Medikamente, die nicht nur Symptome, sondern die Krankheit selbst bekämpfen.“ Weiter hob der Professor hervor: „Aktivierung und Bewegung ist, unabhängig von der medikamentösen Behandlung, für alle Parkinson-Patienten sehr wichtig“ Allerdings sollten Therapeuten (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie) aufgesucht werden, die auf Parkinson-Krankheit spezialisiert sind und über die nötige Expertise verfügen. Professor Warnecke informierte über das „Überregionale Parkinson-Netzwerk Münsterland-Osnabrück+“ sowie einen digitalen Parkinson-Lotsen, der sich als umfassende Anlaufstelle für nicht medikamentöse Therapien versteht.

Der Chefarzt machte die Mitglieder des Forums mit dem Projekt „Caregiver Support Manager“ vertraut, das pflegende Angehörige unterstützt. Auch sie sind mit Stresssituationen konfrontiert. Über einen ins Smartphone eingelesenen QR-Code nahmen zahlreiche Interessierte aus dem Publikum an einer Umfrage zur Situation von Pflegenden teil. Der Facharzt stellte unter anderem die „Paraiso-Studie“ vor. Sie untersucht den Antikörper Prasinezumab, der dazu dienen soll, das Fortschreiten von Parkinson im Frühstadium zu verlangsamen.

Parkinson-verlaufsmodifizierende Therapien in Form von Gen- und Zelltherapien sind in der Forschung ein großes Thema. Starke Hoffnungen werden darin gesetzt, allerdings sind noch mehrjährige Studien notwendig, um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten. Ebenso wird geforscht, ob bestimmte Diabetes-Medikamente eingesetzt werden können, um die Parkinson-Krankheit zu bekämpfen. „Grundsätzlich ist es komplex geworden, als Patient alle neuen und spezifischen Therapiemöglichkeiten auch auszuschöpfen“, so Professor Warnecke. Deshalb seien Parkinson-Netzwerke notwendig. Darüber hinaus sei nicht jede Therapie für jeden geeignet. „Wichtig ist grundsätzlich, auszuprobieren, was dem Einzelnen hilft.“ Für jeden Patienten müsse ein individuelles Profil erstellt werden.

Hagen Libeau (Forums-Vorstand), Prof. Dr. Tobias Warnecke (Chefarzt), Michael Bartsch (Forums-Vorstand) und Heinz Trindeitmar (Forums-Vorstand).

Professor Dr. Tobias Warnecke (Chefarzt).

Das zahlreich erschienene Publikum.

Der Experte ging auf unterschiedliche Pumpentherapien ein. Vier verschiedene stehen schon länger zur Verfügung, eine neue Version wird voraussichtlich im Verlauf dieses Jahres verfügbar sein. Sie dient der kontinuierlichen subkutanen Infusion von Levodopa und Carbidopa. Speziell entwickelt wurden diese Pumpentherapien für Patienten mit fortgeschrittener Parkinson-Krankheit, die unter starken motorischen Schwankungen (Off-Phasen) leiden.

Professor Warnecke ging schließlich auf Beta-Frequenz basierte Steuerung der Tiefen-Hirn-Stimulation und den MRT-gesteuerten fokussierten Ultraschall ein. Letzterer ist ein innovatives, schnittfreies Verfahren. Ultraschallwellen erhitzen und veröden winzige Bereiche im Gehirn, die für bestimmte Parkinson-Symptome wie beispielsweise Zittern verantwortlich sind.

Hingewiesen wurde bereits jetzt auf den Parkinson Netzwerk Kongress am 20. und 21. November dieses Jahres, der unter der Überschrift „Dopaministen auf der Langstrecke – Netzwerkversorgung nachhaltig gestalten“ stattfindet. Ort ist das Congress Center Heidelberg.

www.parkinsonnetzwerke.de

(Text und Fotos: Rainer Nix)