Oberarzt und Facharzt für Neurologie Dr. med. André Mittelstedt referiert beim Forum
„Atypische Parkinson-Symptome“ standen im Fokus des Juni-Vortrages auf der Vereinsversammlung des Forums für Parkinson und Bewegungsstörungen in der Borghorster Gaststätte Börger. Dr. med. André Mittelstedt, Oberarzt und Facharzt für Neurologie an der Klinik für Neurologie, Christophorus-Kliniken GmbH, Dülmen, war der Einladung des Vorstandes gern gefolgt und referierte zum Thema.
„Das atypische Parkinson-Syndrom ist ein großes Schlagwort innerhalb der Neurologie“, sagte Dr. Mittelstedt. 85 Prozent der Parkinson-Patienten leiden an der klassischen Parkinson-Krankheit, 15 Prozent an dem atypischen Syndrom. Der Experte definierte zunächst die Parkinson-Symptomatik, die alle Betroffenen aufweisen. Das Stichwort lautet „Akinese/Bradykinese“ und bezeichnet Minderbeweglichkeit, die sich im Gesicht durch abnehmende Mimik zeigt oder durch schlurfenden Gang. „Dies ist das obligate Symptom, von dem wir sprechen, wenn wir die Parkinson-Krankheit definieren“. Als Zusatzsymptome können unter anderem Tremor (Zittern) oder Rigor (Steifheit der Bewegungen) auftreten. Häufiges Symptom, hierbei eher im Verlauf, ist auch die posturale Instabilität, bei der Menschen schnell, besonders bei ruckartigen Bewegungen, das Gleichgewicht verlieren.
Arten der atypischen Parkinson-Krankheit können sein:
- LBD = Lewy-Körperchen-Demenz, die im frühen Krankheitsverlauf bereits Merkmale von Demenz und Parkinson verbindet. Dazu gehören stark schwankende geistige Fähigkeiten, detaillierte optische Halluzinationen und eine parkinsonähnliche Bewegungsstörung.
- PSP = Progressive supranukleäre Blickparese führt zu einer schweren Bewegungs- und Gangstörung sowie einer Unfähigkeit, die Augen bewusst (vor allem nach unten und oben) zu bewegen, mit nachfolgend hoher Sturzgefahr (nach hinten)
- MSA = Multisystematrophie zeichnet sich neben einer parkinsonähnlichen Bewegungsstörung durch massive Kreislaufprobleme mit Schwindel beim Aufstehen bis hin zu Bewusstlosigkeit und unkontrollierbarem Harndrang infolge einer starken Beteiligung des autonomen Nervensystems aus
- CBD = Kortikobasale Degeneration, bei der es neben einer streng einseitigen Muskelsteifigkeit zum „Alien-Limb-Phänomen“, dem Fremdheitsgefühl und der Unbeholfenheit eines Armes oder Beins, kommt
„Ein atypisches Parkinson-Syndrom sollte in Betracht gezogen werden, wenn bestimmte Warnsignale auftreten“, so der Facharzt. Sobald der sonst recht wirksame Dopamin-Ersatz (L-Dopa) keine oder nur sehr geringe Verbesserung der Parkinson-Symptome erbringt, ist das als Warnzeichen zu betrachten. Ebenso, wenn eine Verschlechterung oder der Verlust von Selbstständigkeit etwa durch die Notwendigkeit eines Rollstuhls drastischer ausfällt als bislang.
Spezialisierte, bildgebende Diagnostik kann im Verlauf zur Diagnosestellung angewandt werden. Bevorzugt wird weiterhin eine multimodale, nicht-medikamentöse Therapie. Gemeint ist ein ganzheitlicher Behandlungsansatz, bei dem medizinische, psychologische und physiotherapeutische Maßnahmen möglichst eng verzahnt werden. Der Weg der Zukunft führt weg vom „Symptom-Management“ hin zur Präzisionsmedizin mit gezielten Therapien, die auf biologischer Signatur basieren.
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