Chefarzt Dr. med. Wolfgang Kusch hielt aufschlussreichen Vortrag

Das Forum für Parkinson und Bewegungsstörungen ist mittlerweile auf 520 Mitglieder angewachsen. Am 21. Januar stand das erste Vereinstreffen 2026 in der Gaststätte Börger, Steinfurt-Borghorst, auf dem Programm. Als Referent war Dr. med. Wolfgang Kusch, Chefarzt der Klinik für Neurologie des Herz-Jesu-Krankenhauses in Münster-Hiltrup, eingeladen. Er hielt einen detaillierten und aufschlussreichen Vortrag zum Thema „Nicht-motorische-Störungen (NMS) bei der Parkinsonkrankheit“.

Bevor der Chefarzt das Wort ergriff, dankte Michael Bartsch, der das Forum gemeinsam mit Hagen Libeau leitet, Klaus Harrach und Erwin Hollekamp für ihr Engagement bei der Gründung einer Tischtennisgruppe unter dem Dach des Turnerbundes Burgsteinfurt. Sie ist montags von 15 Uhr bis 16.30 Uhr in der Kreissporthalle an der Liedekerker Straße aktiv. Ebenfalls Dank wurde Margret Hartwig ausgesprochen, die seit vielen Jahren Pressekontakte pflegt und zahlreiche Redaktionen mit den Veranstaltungsterminen des Forums versorgt. Michael Bartsch wies auf den Parkinson-Stammtisch in Laer hin, gegründet 2016 von Angelika Relt, dessen Betreuung seit Kurzem Heinz Trindeitmar und Veronika Trötschler übernommen haben.

Wer sich nicht näher mit der Parkinsonkrankheit auskennt, denkt beim Thema Symptome hauptsächlich an Bewegungsverlangsamung, Zittern (Tremor), Muskelversteifung (Rigor) oder Gleichgewichtsstörungen. Dr. Kusch machte deutlich, dass zahlreiche weitere Symptome mit der Krankheit in Verbindung stehen. Dazu gehören sensorische Störungen, Schlafstörungen, Schluckstörungen und Verstopfung, Blasen- und sexuelle Funktionsstörungen, Schmerzen, Blutdruckschwankungen und neuropsychiatrische Störungen. „Oft beginnen NMS und unspezifische Probleme bereits, bevor motorische Beeinträchtigungen auftreten“, erläuterte der Chefarzt. Mit dem Fortschreiten der Krankheit gehen oft Behinderungen, Minderung der Lebensqualität und auch die Notwendigkeit der Einweisung in ein Pflegeheim einher.

Schlafstörungen sind eine Begleiterscheinung, über die viele Parkinson-Patienten klagen. Die Ursachen liegen unter anderem in ungesteuerten Beinbewegungen und Krämpfen, Unbeweglichkeit beim Drehen im Bett, lebhaften Träumen, oft Albträumen, Reden und Schreien im Schlaf. Folgen sind Tagesmüdigkeit und „chronic fatigue“, was mit „chronischer Schwäche“ übersetzt wird. Weitere Schlafstörungs-Ursachen können in Nebenwirkungen von Medikamenten, negativen Gedanken oder Problemen mit der Blasenentleerung liegen. Der Experte sprach über den Teufelskreis von Schlafstörungen über Tagesmüdigkeit bis hin zu sozialem Rückzug und Depression. Er gab Hinweise zur Besserung, unter anderem durch Verzicht auf Mittagsschlaf, bewusst zur Ruhe kommen eine Stunde vor dem Zubettgehen oder Verzicht auf aufputschende Getränke vor der Nachtruhe. Auch Medikamente können in Absprache mit dem behandelnden Arzt hilfreich sein.

Das Themenspektrum nicht motorischer Störungen bei der Parkinsonkrankheit ist umfangreich. Schluckstörungen gehören dazu, denen neben weiteren Möglichkeiten mit logopädischen Maßnahmen, der grundsätzlichen Vermeidung großer Essensstücke und der Bevorzugung breiiger Speisen begegnet werden kann.

Dr.med. Wolfgang Kusch, Chefarzt der Klinik für Neurologie des Herz-Jesu-Krankenhauses in Münster-Hiltrup.

von links: Margret Hartwig, Klaus Harrach, Dr. Wolfgang Kusch, Heinz Trindeitmar, Michael Bartsch und Hagen Libeau.

Der Vortrag zum Thema NMS war sehr gut besucht.

Verstopfung ist bei rund 75 Prozent der Parkinsonbetroffenen zu beobachten. Ursächlich sind zum Beispiel Medikamente und mangelnde Bewegung. Angeraten werden kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt, genügend Ballaststoffe und stressfreies, entspanntes Essen mit kleinen Bissen und ausreichendeTrinkmenge von 1,5 bis 2 Litern pro Tag.

Bei Parkinson-Betroffenen kann es zu Sexual-Funktionsstörungen kommen. Diese sollten nicht tabuisiert werden, Kommunikation mit der Partnerin oder dem Partner ist wichtig. „Parkinson bedeutet nicht das Ende von Initimität“, hob Dr. Kusch hervor. Es sollten das therapeutische Gespräch und Möglichkeiten gesucht werden, Initimität neu zu definieren.

Auch neuropsychiatrische Symptome waren Thema. Kognitive Störungen bis hin zu Demenz, Depressionen, Angst bis hin zu Halluzinationen werden beobachtet. „Multitasking“ wird zunehmend schwieriger bis unmöglich, Konzentration fällt schwer oder neue Dinge lassen sich schwer behalten. „Allerdings bedeuten kognitive Einschränkungen nicht automatisch Demenz“, betont Dr. Kusch. Zum Schutz davor empfiehlt der Referent vor allem körperliche, soziale und geistige Aktivität. Die Vermeidung von sozialer Isolation ist besonders wichtig. Hier betonte er die Bedeutung von Selbsthilfegruppen wie dem Forum. Entspannung und Stressreduktion runden die Palette der Ratschläge ab. „Trotz aller Kommunikationsprobleme sollte man mit Betroffenen im Gespräch bleiben“, rät der Chefarzt. Dazu gehöre ein respektvoller und rücksichtsvoller Umgang. Pflegende Angehörige müssen auf ihr seelisches Gleichgewicht achten. Die Info-Folien zum kompletten Vortrag von Dr. Wolfgang Kusch werden auf die Homepage des Forums für Parkinson und Bewegungsstörungen eingestellt.

(Text und Fotos: Rainer Nix)

Download : Dr. med. Wolfgang Kusch, Nicht-motorische Störungen (NMS) beider Parkinsonkrankheit