Bewegungsfahrschule – Gründerin und Kinaesthetics-Trainerin Annette Zumdick setzt auf den Bewegungsführerschein Kinästhetik – Individuell – Bewegte Pflege
Ziel: Die Selbstständigkeit und Lebensqualität zu Hause möglichst lange zu erhalten
Kinästhetik, englisch Kinaesthetics, die Lehre von der Bewegungsempfindung und der Wahrnehmung der eigenen Körperbewegung, war am 14. Oktober Thema auf dem Vereinstreffen des Forums für Parkinson und Bewegungsstörungen e. V. in der Borghorster Gaststätte Börger. Als Referentin begrüßten Michael Bartsch und Hagen Libeau vom Vereinsvorstand die Expertin Annette Zumdick, Geschäftsführerin der „Bewegungsfahrschule Zumdick“ in Gronau. Praktische Übungen unterstützten das Verständnis der Vortragsinhalte.
„Sturz, was nun? Bewegungskompetenz trifft Hilfsmittel – Kinaesthetics und Parkinson“ war der Vortrag überschrieben. Stürze sind bei Parkinson-Patienten eine der besonderen Gefahren. Warum? Das „Freezing“, die Gangblockade, führt zu kurzen Schritten und erschwert Drehungen. Die Veränderung der Balance und verzögerte Ausgleichsbewegungen, Schwindel beim Aufstehen oder auch Ablenkung, Zeitdruck und Hindernisse können zu einem Sturzereignis führen.
„Ist es passiert, gilt es erst einmal, Ruhe zu bewahren“, mahnt Annette Zumdick. Der Gestürzte muss angesprochen, Schmerzen, Blutung und Kopfaufprall sollten abgefragt werden. Die Atmung ist zu prüfen und die Situation sachlich einzuschätzen. „Nimmt der Helfende Warnzeichen wahr, soll er Hilfe rufen und der Betroffene ruhig liegen bleiben. Sofort muss die Telefonnummer 112 gewählt werden bei Bewusstlosigkeit, Atemnot, starker Blutung, Sprachstörung oder starker Verwirrtheit des Betroffenen. Ebenso ist augenblicklich ein Rettungswagen beziehungsweise Notarzt zu verständigen, wenn ein Verdacht auf Verletzung der Hüfte, des Rückens oder Nackens besteht. Bis Hilfe eintrifft, sollten Helfende bei dem Betroffenen bleiben und ihn warmhalten.“ Aufrichten sollte sich ein Gestürzter nur, wenn keine Verletzungszeichen auftreten und es ihm sicher möglich ist. „Die betroffenen Personen bestimmen das Tempo selbst“, betonte die Expertin.
Um Betroffenen, Angehörigen und Pflegekräften das Leben leichter zu machen, gründete Krankenschwester und Kinaesthetics-Trainerin Annette Zumdick die Bewegungsfahrschule. Für diese Leistung ist sie für den Marie Simon Pflegepreis nominiert. „Wir helfen Menschen, unbewusste Bewegungsabläufe ins Bewusstsein zu rufen und autonome Bewegungen zu motivieren“, erläutert sie. „In den vergangenen Jahren habe ich vor allem eins gelernt: Wir brauchen mehr Aufklärung zum Thema Bewegung in der Pflege und in Unternehmen.“ Nur dann könnten Menschen wirklich verstehen, wie Kinaesthetics einen entscheidenden Unterschied machen kann.
Der Bewegungsführerschein sollte möglichst vor dem Beginn einer Krise ins Auge gefasst werden. Bewegung im Alltag wird bewusst wahrgenommen, die eigenen Fähigkeiten werden frühzeitig gestärkt. Betroffene und Angehörige lernen gemeinsam, wie Bewegung gelingt und Unterstützung aussehen kann. Es gilt, eine gemeinsame Grundlage zu entwickeln, vertraute Bewegungswege und passende Hilfen zu üben, damit später darauf zurückgegriffen werden kann. „Unser Ziel ist, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu Hause möglichst lange zu erhalten“, hob die Referentin hervor. Vor und nach dem Bewegungsführerschein sind häusliche Schulungen möglich.
Pflegekurse nach § 45 SGB XI sind für Angehörige und ehrenamtlich Pflegende unentgeltlich. Häusliche Kinaesthetics-Schulungen sind bei passender Kassenvereinbarung oder bestätigter Kostenübernahme kostenfrei.
Von links: Hagen Libeau (Forum für Parkinson und Bewegungsstörungen e.V.), Referentin Annette Zumdick und Michael Bartsch (Forum für Parkinson und Bewegungsstörungen e.V.).
Annette Zumdick demonstriert eine Sitzerfahrung zum Thema Kontakt miteiner Unterlage.
von links: Michael Bartsch, Annette Zumdick und Hagen Libeaudemonstrieren, wie einem Gestürzten wieder aufgeholfen werden kann.
Kinaesthetics-Trainerin Annette Zumdick stellt den Teilnehmenden verschiedene Hilfsmittel vor und erläutert deren Einsatz zur Förderung von Selbstständigkeit und Bewegung im Alltag.
(Text: Rainer Nix / Fotos: Reiner Krausse)






